Suggestion – eine neue Art der Definition

Ich als Ottonormalverbraucher gehe nun davon aus, wenn eine Senatsverwaltung in Berlin die Felder Bildung, Wissenschaft und Forschung vereint, dass zwischen den Fachbereichen die Synapsen voll ausgebildet sind. Also, ich meine, dass aus dem Bereich Wissenschaft die Synergien z. B. in den der Bildung einfließen. Dass ich nicht zu weit daneben liege, zeigt nun folgender Gedankengang. Doch zuvor bitte, eine definitive Klarstellung der Begrifflichkeit „Suggestion“:Lexikon für Psychologie und Pädagogik2. Definition: „Psychischer Vorgang, durch den ein Mensch unter weitgehender Umgehung der rationalen Persönlichkeitsbereiche dazu gebracht wird, unkritisch (ohne eigene Einsicht) Gedanken, Gefühle, Vorstellungen und Wahrnehmungen zu übernehmen“4. Definition: „Seelische Selbst- oder Fremdbeeinflussung zur Übernahme von Gedanken, Gefühlen, Wahrnehmungen oder Handlungsabsichten“Wikipedia – Die freie EnzyklopädieZu unterscheiden ist jedenfalls zwischen Suggestion als Akt bzw. Ergebnis, Suggestibilität als Bereitschaft jener Person, der suggeriert werden soll, und Suggestivität als Potenzial, eine Suggestion platzieren zu können. In diesem Verständnis von Suggestivität kann Suggestibilität dann auch als Auto-Suggestivität – freilich anhand eines äußeren Reizes – verstanden werden. Die Begriffe „Suggestion“ und insbesondere die „Suggestibilität“ werden oft auch verwendet als Synonyme für Willensbeeinflussung, Machtausübung, Gutgläubigkeit, Beeinflussbarkeit und Willensschwäche.Was soll der ganze Quatsch?, werden Sie sich nun fragen. Zu Recht!In den letzten Jahren der sogenannten Reformen, mit all ihren Informationsströmen, habe ich  oft erstaunt bemerkt: TOLL. Das sieht doch wirklich gut aus. Diese Lehrpläne (korrekt Rahmenlehrpläne), diese Wahl- bzw. Entscheidungsmöglichkeit, diese Beteiligungsmöglichkeiten. Nun aber, nach etlichen Jahren direkter Erfahrung mit schulpflichtigen Kindern, macht sich mehr und mehr Ernüchterung breit. Ich habe mich von den Prospekten (wer auch immer diese tatsächlich erstellt hat) beeinflussen lassen (s.o. Definitionen). Man hat also von der Psychologie gelernt.Auf Unverständnis stößt dabei der Fakt, dass sich die SenBWF mehr und mehr aus den Entscheidungen des Schulbetriebes herausnehmen möchte, wie mir ein Oberstudienrat persönlich sagte (schon der Titel scheint mir sehr antiquiert, was einen direkten Rückschluss auf moderne Pädagogik erschwert). Da wird es also in dem existierenden Flickenteppich Deutschland zugelassen, dass sich eine Behörde einer Landesregierung zurückhält für Vereinheitlichungen und gemeinsamen Fortschritt zu sorgen. Schlimmer noch: Es wird toleriert, dass auf den Bezirksebenen von Berlin jeder nochmals sein eigenes Süppchen kochen kann (s. auch: Reinickendorf – eine “gemeinschaftsschulfreie Zone”?). Und das Endziel soll es sein, dass jede Schule ihre eigenen Wege geht. Aber, wir (als Eltern) haben ja die Wahl. Ja, wir können zumindest unseren Wohnort wählen. TOLL.Mein Puls geht gerade über 95, was rationale Entscheidungen beeinflussen kann (habe ich heute gehört), wenn ich auf den Kernpunkt Reform (planmäßige … Umgestaltung und Verbesserung bestehender Verhältnisse) zu sprechen komme. Das Problem, was in Berlin zu beobachten ist, ist offensichtlich der Zugzwang ständig Veränderungen (mit sicherlich guten Absichten) einbringen zu wollen, ohne tatsächlich die Auswirkungen der letzten analysiert zu haben. Schuld daran scheint wohl die politische Legislaturperiode zu sein, die zu oft wohl als Halbwertzeit interpretiert wird, also den Mut zu weitreichenden entscheidenden Schritten hemmt.Was bei allen vielleicht auch fortschrittlichen Ideen verpasst wurde, ist die täglich Ausführenden mitzunehmen. Hier ein Beispiel dafür: Die letzte Änderung des Schulgesetzes im Bezug auf den Übergang von der Primar- auf die Sekundarstufe. Bei einem Besuch der im Januar reichlich verteilten„Tag der offenen Tür“ an einem Gymnasium kam die Frage auf, was denn nun eigentlich Härtefälle wären. Darauf antwortete der Direktor, er habe dafür noch keine genaueren Informationen, ihm fehle noch die entsprechende Handreichung (auf neudeutsch: handout). Da soll man nun ruhig bleiben. In diesen Tagen stehen die Anmeldungen mit dessen Auswertungen als Aufnahmeentscheidung an und man weiß offensichtlich noch nicht genau, wie diese Fälle entschieden werden sollen. In den gefertigten Prospekten wiederum alles bunt und rund. Bildungsfahrplan und Schulkompass, Begriffe, die bestimmt das Budget deutlich belasteten. Da bin ich auf dem Jahrmarkt an der Losbude wirklich besser bedient. Ein Vorschlag zur Güte für das nächste Reförmchen: die Bildungsgreencard!

2 Gedanken zu „Suggestion – eine neue Art der Definition

  1. Reformen? Welche Reformen? Als damals – gleich nach dem Krieg – privates Grundeigentum in ein gemeinschaftliches überführt wurde, sprach man davon. Als dann die Reichsmark in Ost und West jeweils durch eine eigene Deutsche Mark ersetzt wurde auch.

    DAS waren Reformen!

    Heute allerdings wird dieser Begriff inflationär für alles verwendet, was für uns deutlich aus dem Schattendasein der bloßen Gesetzesänderung heraustreten soll. Quasi als Verkaufsargument für‘s Wahlvolk.

    Ein wichtiges Merkmal einer Reform ist, dass man sie nicht nur wollen, sondern auch mit aller Kraft durchsetzen muss. Es gibt nämlich immer auch Reformgegner. Das sind Menschen, die glauben, dass man den Ist-Zustand nicht verändern muss – mit anderen Worten: vor allem diejenigen, denen es dann gut geht, wenn und solange alles so bleibt, wie es ist.

    Ein weiteres wichtiges Merkmal: man muss einer Reform die Zeit geben, die es braucht, bis die Änderungen greifen können. Man darf bei einer Reform nicht erwarten, dass sie von heute auf morgen ihre ganze Wirkung entfaltet. Das gilt insbesondere für langfristig angelegte Systeme, wie es ein Schulsystem nun mal ist.

    Dieser Einwand jedoch – das muss ich zugeben – gilt nicht NUR für unser Bildungssystem. Krankenkassen, Renten, Steuern … ich kann’s echt nicht mehr hören! Ihr?

  2. Bloß weil es im Lexikon steht, heißt das noch lange nicht, dass es sich nicht um Unsinn handelt. Die alten römischen Legionäre wussten noch, was SUGGESTION ist. Sie SUGGERIERTEN den Ochsen, die ihren Karren zogen, das Heu, das heißt, sie hielten den Ochsen das Heu nicht über den Kopf, denn da wären sie wild geworden. Sie bückten sich und gaben den Ochsen das heu unter das Maul. Wenn Du bereit bist, vom hohen Ross herabzusteigen und Dich zu bücken, dann fressen Dir – nicht nur die vierbeinigen – Ochsen aus der Hand. So erkläre ich SUGGESTION.
    Mit aller Kraft durchsetzen, das bedeutet mitnichten, dass man für etwas Kraft aufwenden muss. Es bedeutet, dass man die tatsächlich wirksamen Kräfte recht bedient. In der neuen Ich-kann-Schule kann man sehen, dass der übliche Kräfteverschleiß nur den Misserfolg größer macht und dass man die entscheidenden Kräfte ganz fein lenken lernen kann.
    Guten Erfolg wünsche ich.
    Franz Josef Neffe

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