Mutter Courage? Oder doch nur Wahlkampf?

Da weiß man echt nicht, was man zuerst anprangern soll:  die Tageszeitungen der Stadt – hier exemplarisch die Berliner Morgenpost – berichten seit dem Wochenende darüber, dass der Kita-Eigenbetrieb Nordost als erster großer Kita-Träger Berlins vorsätzlich und offiziell gegen die gesetzlichen Vorgaben bezüglich der Personalausstattung verstößt.  Aus finanziellen Gründen, wie es heißt.  Das an sich ist bereits ein Skandal!  Man kann nur spekulieren:  Entweder wirtschaftet man beim Kita-Eigenbetrieb Nordost nicht gut genug oder die Vorgaben der Politik sind vollkommen überzogen oder aber – und das ist wohl am wahrscheinlichsten – die Kitaträger sind gesetzlich verpflichtet worden, mehr zu leisten als die Stadt Berlin zu zahlen bereit ist.  Denn seit Beginn dieses Kalenderjahres ist auch das dritte Kita-Jahr kostenfrei, die Kosten trägt also seit gerade mal einem Monat die Stadt.  … und plötzlich reicht das Geld nicht mehr!

So viel ist „uns“ als Gesellschaft also die Bildung „unserer“ Kinder – mit anderen Worten:  die Zukunft dieses Landes – wert!  Bravo.

Parallel dazu ist allerdings noch etwas anderes irritierend:  zitiert wird in diesem Zusammenhang stets die Verwaltungsratsvorsitzende vom Kita-Eigenbetrieb Nordost, Christina Emmrich (Linke), welche zugleich die Bezirksbürgermeisterin von Lichtenberg ist.  Nun muss jede Politikerin und jeder Politiker selbst entscheiden, was man mit der Zeit anstellt, die einem neben dem politischen Amt bleibt.  Überraschend ist es manchmal trotzdem.  Ein  Verwaltungsratsvorsitz in einem Kita-Eigenbetrieb, der ausserhalb des eigenen Einflußbereiches liegt, wäre mit Sicherheit weniger anrüchig!  Oder?

Das Gefühl jedenfalls, dass berlinweit Parteipolitik auf dem Rücken unserer Kinder gemacht wird, statt Bildungspolitik endlich als eine Aufgabe von gesellschaftlicher Relevanz und höchster Priorität über Legislaturperioden und Parteiengrenzen hinaus zu begreifen, ist aus Elternsicht einfach erdrückend!  (mrx)

3 Gedanken zu „Mutter Courage? Oder doch nur Wahlkampf?

  1. Ja, armes Deutschland.
    Da frag ich mich, ob es wirklich notwendig ist Bildung an die Politik zu koppeln? Oder wäre es vielleicht sinnvoller ein unabhängiges Bildungswesen zu etablieren?!
    Ein eindeutiger D-weiter Konsenz wäre sehr angebracht, unabhängig von den Landesfürsten und Komunenprinzessinen.

  2. müsste man nicht von einer bezirksbürgermeisterin in einer solchen position zu aller erst gesetzestreue erwarten und als wähler auch verlangen dürfen? für wie selbstherrlich halten die politiker sich eigentlich, wenn sie sich an ihre eigenen gesetze nicht halten? wohin ist die auffassung verschwunden „ich bin der erste diener des staates“ anstatt „der staat bin ich“. kein wunder, daß so viele wahlmüde werden oder schon sind.

  3. eines der probleme ist doch die kleinstaaterei, die in deutschland eine schier endlose tradition hat. die verantwortung fuer gesetze tragen hierzulande oft nicht diejenigen, die sie gemacht haben. deswegen halte ich es hier ja auch fuer ein wahlkampfmanoever, wenn eine bezirkspolitikerin sich in ihrer freizeit den gesetzen des senats widersetzt. solange es sich um einen neonaziaufmarsch in karlshorst und friedrichsfelde handelt, ziehe ich vor dem couragiertem auftreten der buergermeisterin meinen hut. in diesem falle aber nicht!

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